Geschichte

Der Vereinigung ehemaliger Theresianisten

Teil 1 – Nachkriegszeit

von Peter Wehle

Schon am 10.6.1946 wurden alle Mitglieder der am 31.10.1938 durch die Nationalsozialisten aufgelösten Vereinigung schriftlich verständigt, dass das Innenministerium der Reaktivierung zugestimmt hat. Die erste ordentliche Generalversammlung nach Kriegsende – insgesamt die vierzehnte- wurde für den 24.6.1946 in dem Barocksaal des Musikverlages Herzmansky, 1010 Wien, Dorotheergasse einberufen. Immerhin fanden sich damals 57 ehemalige Theresianisten ein, mehr als heute eine Generalversammlung besuchen. Bei der damals stattgefundenen Wahl wurde Sektionschef Dr. Paul Heiterer-Schaller zum Präsidenten und Dr. Bernd Kamler zum geschäftsführenden Vizepräsidenten gewählt.

Zu diesem Zeitpunkt war das Theresianum von der sowjetischen Armee besetzt und an die Wiedererrichtung konnte vorerst nicht gedacht werden. Trotzdem oder gerade weil die Vereinigung – mit dem damaligen Sekretariat im Bleikabelevidenzbüro in der Langegasse ohne Theresianum bestehen musste, war die Verbundenheit und Hilfsbereitschaft untereinander sehr groß und überstieg meiner Ansicht nach die heutige Einstellung vieler ehemaliger Theresianisten. Zugegeben, die Lage in Österreich war keineswegs rosig, jeder konnte jedwede Unterstützung brauchen, doch wurde damals der Begriff der Kameradschaft einfach höher eingeschätzt.

Zu den Aufgaben, denen sich die Vereinigung stellte, zählt natürlich auch die tatkräftige Unterstützung des damaligen Kurators Senatspräsident Paul Graf Scapinelli, welcher sich unermüdlich bemühte, das Gebäude wieder seinem ursprünglichen Zweck zuzuführen.

Dr. Georg Fürstenberg Ehrenpräsident der Vereinigung der Alttheresianisten
Dr. Georg Fürstenberg
Ehrenpräsident der Vereinigung der Alttheresianisten

Im Jahre 1952 gab es bereits 600 Mitglieder. 1954 627 und 1958 700. In der Generalversammlung vom 13.5.1957 konnte Kamerad Kamler über die Errichtung der Maria Theresien-Stiftung berichten, die im ersten Jahr ihres Bestandes 12 vollinterne und 9 halbinterne Stiftungsplätze bereitstellen konnte. In derselben Generalversammlung berichtete Kamerad Scapinelli über die für den Herbst vorgesehene Wiederaufnahme des Schulbetriebes. Zum Lehrplan sagte er, dass dieser doch wesentlich von dem bisherigen unterscheide. So wird z.B. Geschichte erst in der 2. Klasse unterrichtet, dafür wird der Grammatik mehr Platz eingeräumt. An Sprachen wird ab der 1. Klasse nach Möglichkeit Französisch, ab der 5.Klasse Englisch und ab der 6.Klasse eine slawische Sprache unterrichtet. Mathematik wird etwas erleichtert. Dafür wird auf umfassendes Wissen über Weltgeschichte Wert gelegt.

In der 17. ordentlichen Generalversammlung von 1949 wurde ich zum Generalsekretär bestellt, nachdem ich bereits 1948 in den Vorstand berufen wurde und am 13.5.1976 wurde ich nach Heiterer und Kamler der dritte Präsident unserer Vereinigung seit Kriegsende. Ich möchte anschließend aus meinen damaligen Ausführungen zitieren, weil mir dies heute noch 20 Jahre später, als sinnvoll erscheint:

Lohnt sich die Vereinigung ehemaliger Theresianisten? Ist sie sinnvoll? Ja notwendig? Sprechen wir nicht zu oft von einem Geist, von dem wir glauben, dass er Synonym ist für einen immateriellen Wert, während er de facto eher einem Gespenst gleicht, das wie bei einer Seance aus dem Nichts oder einer versunkenen Welt vorübergehend heraufbeschworen wird und eigentlich mit der Realität nichts mehr gemein hat? Das ist wohl eine Frage, die sich jeder von uns stellen muss und selbst eine Antwort zu finden hat.

Ich kann hier nur ein persönliches Bekenntnis ablegen: Ich meine, dass es Dinge gibt, die nicht tangibel sind, sich der rationalen Definition und Fassbarkeit entziehen. Wenige, sicher, und für jeden andere. Für mich hat dieses Haus, diese Favoritenstraße Nr.15, eine Aura, eine Ausstrahlung, eine Spiritualität, die ich spüre, der ich mich nicht entziehen kann und die es unterscheidet von allen anderen Gebäuden, die ich kenne. Und alle, die in diesem Haus gelebt haben, nehmen bewusst oder unbewusst ein Stückchen dieser Aura mit – und das ist die Gemeinsamkeit, die uns verbindet, das ist die Basis eines Zusammengehörigkeitsgefühls, das über Sympathie und Antipathie hinweggeht. Hier liegt auch der Schlüssel zum Selbstverständnis unserer Vereinigung, denn eigentlich hat sie ja nur einen Sinn: Herren, die Gleiches verbindet, die Gelegenheit eines Wiedersehens zu geben, die Kameradschaft, das Füreinander-da-Sein zu pflegen. Wie? Das ist ein Detail, ein Organisationsproblem. Aber dass es geschieht, dass in dieser kontaktarmen Welt gehetzt und ohne Ordnung, reizüberflutet und beziehungslos zwischen einigen ein gemeinsamer Nenner erhalten und bewahrt wird, im Sinne einer richtig verstandenen Tradition, nicht aus einer reaktiven Einstellung heraus, sondern aus der Überzeugung, dass es nie ein Morgen ohne Gestern gibt, das scheint mir einfach richtig, sinnvoll und notwendig.

Wir Theresianisten sind beileibe nicht besser als Absolventen anderer Mittelschulen. Wer’s merkt, der weiß nur, dass wir irgend etwas noch dazubekommen haben. Und wer’s nicht glaubt, wer meint, dass diese Aura nicht existiere, den trifft kein Vorwurf – der möge seiner Wege gehen, der hat ganz einfach nicht teil an uns.

Lesen Sie hier Teil 2 – Die Gegenwart der Vereinigung ehemaliger Theresianisten.

Dezember 2019

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