Maturafoto Hans Hass, Maturajahrgang 1937

Hans Hass und andere große Theresianisten

 

Tag der Fahne 1961
Hans Hass Fotoapparatetest
Paul Scapinelli auf einer Zeichnung von Sebastian Zimmel 1961
Tag der Fahne 1961
Maturafoto Hans Hass

Alfons XII. von Spanien (1857-1885)

Theresianist von 1872 bis 1874

Aus dem Hause Bourbon besuchten die Prinzen Franz, Peter und Ludwig das Theresianum.
Der erfolgreichste war aber Alfons, der Sohn Isabella II. von Spanien und des Infanten
Francisco de Asis de Bourbon.
Nach der Septemberrevolution 1868 und dem Sturz seiner Mutter als Königin ging er
zunächst mit seinen Eltern ins Exil nach Paris, wo er die erste Schulzeit verbrachte. Als nach
dem deutschen Sieg in der Schlacht bei Sedan im Sommer 1870 im Rahmen des Deutsch-
Französischen Krieges deutsche Truppen in Paris einmarschierten, flüchtete die Familie in die
Schweiz.
Isabella verzichtete 1870 zu seinen Gunsten auf den Thron.
Er besuchte 1872 bis 1874 als Alphonso Marquis de Covadonga das Theresianum, die
„Musterschule der adeligen und bürgerlichen Jugend in Europa“. Im Sommer 1874 trat er als
17-Jähriger die spanische Thronfolge an nach Abdankung des Königs Amadeus gegen die
Republik und erfolgreich gegen den karlistischen Thronprätendenten, Don Carlos, der die
spanische Krone beanspruchte. Dieser musste nach der Niederlage 1876 nach Frankreich ins
Exil gehen.
Alfons XII gelang es, die innenpolitischen Verhältnisse Spaniens zu konsolidieren und dem
Land wieder Ansehen zu verschaffen.
Am 14.9.1883 besuchte er als Monarch das Theresianum und zeigte sich sehr dankbar. Seine
Vetter Don Pedro, Don Louis und Don Francisco Bourbon, Infanten von Spanien, besuchten
1875 bis 1877 ebenfalls das Theresianum.
Alfons gründete auch nach dem Vorbild des Theresianums das Collegio Real im Escorial, zu
dem es durch Herrn Prof. Oehl Kontakt mit dem Theresianum gibt.

Abbas II. Hilmi Pascha (1874-1944)

Letzter Khedive(Vizekönig) von Ägypten
Theresianist von 1887 bis 1892

Er war der älteste Sohn des Khediven Mehemed Tewfik und der Prinzessin Emineh Hanem.
Gemeinsam mit seinem Bruder Mehemed Ali Bey trat er 13-jährig im Jahre 1887 als
regulärer Schüler in die Theresianische Akademie ein.
– Im Gang zum Scapinellisaal gibt es ein Foto von ihm auf einer Rodel im Park des
Theresianums!
Nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahr 1892 wurde er gemäß dem Ferman, einem
arabischen Dekret, am 8. Juni 1893 vom Sultan zum Khediven von Ägypten ernannt, das

formell dem Osmanischen Reich unterstand. Er musste die Akademie vorzeitig abbrechen
und in seine Heimat zurückkehren, um die Herrschaft anzutreten.
Seit 1862 war Ägypten von britischen Truppen besetzt. Nach dem Kriegseintritt des
Osmanischen Reichs in den ersten Weltkrieg wurde Ägypten zum britischen Protektorat
erklärt. Abbas II. Hilmi wurde am 18. Dezember 1914 von den Briten abgesetzt. Abbas II ging
ins Exil und starb am 20.Dezember 1944 in Genf.
An seine Zeit am Theresianum erinnern die Gastgeschenke, die er aus Ägypten mitbrachte:
zwei ägyptische Kindermumien mit einem mumifizierten Krokodil und wertvolle Papyri.
Unser bisher einziger Nobelpreisträger

Max F. Perutz (1914-2002)

Chemiker und Nobelpreisträger für Chemie
Theresianist von 1924 bis 1932

1914 in Wien geboren, Sohn von Adele und Hugo Perutz, sie entstammten aus einer
wohlhabenden mährischen Textilfabrikantenfamilie aus dem assimilierten Judentum. Er
maturierte 1932, nach Abschluss seines Studiums im Jahr 1936 fand er als
Forschungsassistent am Cavendish Laboratory der Universität Cambridge eine Anstellung
und machte seinen PhD.
In Cambridge begann er auch, an Hämoglobin zu forschen, was ihn den größten Teil seine
Forscherkarriere beschäftigen sollte.
Aufgrund seiner jüdischen Herkunft kehrte er 1938 nicht nach Österreich zurück und wurde
als Kriegsflüchtling von England nach Kanada abgeschoben.1947 nach seiner Rückkehr als
Professor in Cambridge gründete er die Abteilung für Molekularbiologie, die er bis 1979
leitete.
Im Jahr 1959 gelang es Perutz mit der Technik der Röntgenkristallografie die Struktur des
Proteins Hämoglobin aufzuklären. Für diese Arbeiten wurde ihm 1962 zusammen mit John
Kendrew der Nobelpreis für Chemie verliehen.
Bei seinen häufigen Besuchen ins Theresianum betonte er immer wieder, dass er dem
Theresianum seinen späteren Werdegang als Chemiker verdankt.
Er starb am 6. Februar 2002 in Cambridge. Das Theresianum hat noch immer Kontakt zu
seinem Institut.

Hermann F. Mark (1895-1992)

Chemiker und Pionier der Polymerchemie
Theresianist von 1905 bis 1913

Er war der älteste von 3 Kindern des jüdischen Arztes Hermann Carl Mark. Nach seinem
Studium der Chemie an der Universität Wien promovierte er 1921. Danach ging er nach
Berlin, um in der Forschung zu arbeiten. Nach der Machtübernahme durch die
Nationalsozialisten 1933 verließ er Deutschland und kehrte nach Wien zurück, wo er eine
Professur für physikalische Chemie an der Universität Wien annahm.
Nach dem Anschluss 1938 wurde Mark entlassen und flüchtete über die Schweiz und
Frankreich nach England, von wo er mit einem Schiff nach Kanada und schließlich in die USA
gelangte, wo er 1940 als Professor am Polytechnic Institut of New York in Brookllyn zu
arbeiten begann. Vier Jahre später gründete er dort das Institute of Polymer Research – die
erste Forschungseinrichtung in den USA, die sich ausschließlich der Polymerforschung
widmete und die er bis 1964 leitete.
Er starb am 6. April 1992 in Austin (USA).

Clemens Peter Pirquet, Freiherr von Cesenatico (1874-1929)

Kinderarzt und Immunologe
Theresianist von 1884 bis 1892

Entstammte einer adeligen Familie, in Hirschstetten als Sohn von Peter Zeno von Pirquet,
einem Reichsrats- und Landtagsabgeordneten im österreichischen Parlament, und Flora
Freiin von Pereira-Arnstein aus einer jüdischen Wiener Bankiersfamilie.
Nach der Matura im Theresianum studierte er vorerst Theologie an der Universität Innsbruck
mit der Absicht Jesuitenpater zu werden, wechselte später in das Studium der Medizin und
promovierte 1900. Nach einer Ausbildung an der Charité in Berlin kehrte er 1901 nach Wien
zurück und arbeitete als Assistenzarzt an der Kinderklinik im St. Anna Kinderspital.
In seinen Forschungen widmete er sich vor allem den Infektionskrankheiten. 1906 prägte
Pirquet den Begriff der „Allergie“ und wurde zum Begründer der „Allergielehre“. Mit der
Tuberkulinprobe, die bis in die jüngste Vergangenheit auch als „Pirquet-Probe“ bekannt war,
entwickelte er ein wertvolles diagnostisches Hilfsmittel und trug damit wesentlich zur
erfolgreichen Tuberkulosebekämpfung bei.
Er wurde 1908 für Kinderheilkunde habilitiert und danach als erster Professor für
Kinderheilkunde an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (USA) berufen. 1910
wechselte er als ordentlicher Professor an die Universität Breslau und übernahm 1911 der
Lehrstuhl für Kinderheilkunde an der Wiener Universitätskinderklinik, wo er bis zu seinem
Tod wirkte.
Am 28. Februar 1929 schied er gemeinsam mit seiner Frau freiwillig aus dem Leben.

Hans Hass (1919-2013)

Zoologe und Meeresforscher
Theresianist von 1929 bis 1937

Er war der Sohn des Rechtsanwalts Hans Hass und dessen Frau Meta, geborene
Brausewetter.
Nach seiner Matura im Theresianum entdeckte er sein Interesse für Meeresbiologie und
Unterwasserfotografie. Er unternahm weltweit die ersten Unterwasserexpeditionen und
drehte 1939 seinen ersten Film mit einer Spezialkamera unter Wasser.
Ein Jahr später wechselte er vom Studium der Rechtswissenschaften zum Fach Zoologie und
promovierte 1944 an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität.
Aufgrund seiner Wehruntauglichkeit war es Hass möglich, während des Zweiten Weltkrieges
Expeditionen durchzuführen und seine Forschungen weiterzuführen. Nach dem Zweiten
Weltkrieg ging sein Forschungsschiff durch Beschlagnahme verloren. Er wandte sich der
Anthropologie und der Evolutionsbiologie zu. Im Jahr 1947 wurde sein Film „Menschen unter
Haien“, den er bereits 1942 als Ufa-Kulturfilm begonnen hatte, in Zürich uraufgeführt.
Große Erfolge erzielten neben seinen populärwissenschaftlichen Büchern die Filme
„Abenteuer im Roten Meer“ (1951) und „Unternehmen Xarifa“ (1954). Seit 1965
beschäftigte er sich vor allem in Zusammenarbeit mit Irenäus Eibl-Eibesfeld mit der
Erforschung des menschlichen Verhaltens.

Fritz von Herzmanovsky-Orlando (1877-1954)

Schriftsteller, Architekt und Zeichner
Theresianist von 1887 bis 1896

In Wien als Sohn von Emil Josef Ritter von Herzmanovsky, eines aus Tarnów (Polen)
stammenden k.k.Ministerialbeamten und dessen Gattin Aloisia von Orlando geboren. Nach
der Matura am Theresianum 1896 begann er das Studium der Architektur an der
Technischen Hochschule Wien, das er 1903 abschloss. Daraufhin besuchte er eine
Kunstschule in München und eröffnete ein eigenes Architekturbüro in Wien.
Krankheitsbedingt gab er den Architektenberuf auf und verlegte 1917 seinen Wohnsitz nach
Meran, wo er als Schriftsteller und grafischer Künstler tätig war.
Während der NS-Zeit war ihm im Zuge der Option, bei der die deutschsprachigen Südtiroler
und Ladiner zwischen einem Verbleib in Südtirol oder eine Umsiedelung ins Deutsche Reich
wählen mussten, ein weiterer Aufenthalt in Meran nicht gestattet.
Daher übersiedelte er im Jahr 1940 nach Malcesine am Gardasee. Erst 1948 konnte er nach
Meran zurückkehren und lebte bis zu seinem Tod auf Schloss Rametz.
Sein umfangreiches schriftstellerisches Werk wurde erst durch Friedrich Torberg bekannt.
Für uns Theresianisten ist aber vor allem die Geschichte des „traulichen Du“ aus Torbergs
„Die Erben der Tante Jolesch“ überliefert:

Darin berichtet Fritz Herzmanovsky-Orlando von seinem Vater, der als ebenfalls ehemaliger
Theresianist in seiner Funktion als ranghöchster Sektionschef des Unterrichtsministerium vor
versammelter Beamtenschaft den späteren Kurator (1893-1918) Paul Freiherr Gautsch von
Frankenthurn, der auch Theresianist war, bei der Begrüßung als Unterrichtsminister 1885
duzte. Doch Gautsch erwiderte pikiert in seiner Gegenrede mit einem von oben
herabgenäselten „Sie“. Darauf reagierte Vater Herzmanovsky mit dem Götzzitat und
beantragte seine Pensionierung.

Sir Ernst Gombrich (1909-2001)

Kunsthistoriker
Theresianist von 1920-1928

Als Sohn einer großbürgerlichen jüdischen Familie in Wien geboren. Sein Vater Karl B.
Gombrich war Rechtsanwalt, seine Mutter Leonia Pianistin.
Nach Absolvierung des Theresianums studierte Gombrich ab 1928 Kunstgeschichte an der
Universität Wien. 1933 promovierte er und schrieb danach sein Buch „Eine kurze
Weltgeschichte für junge Leser“, das 1935 erstmals erschien und bis heute in zahlreichen
Sprachen immer wieder aufgelegt wurde.
1936 wanderte er nach England aus und arbeitete am Wartburg Institute in London bis 1939.
Während des 2. Weltkriegs war Gombrich bei der BBC beschäftigt, danach kehrte er ans
Wartburg Institute zurück und wurde 1959 zu dessen Direktor ernannt.
In seinen Schriften befasste er sich insbesondere mit der Ikonografie und Kunsttheorie der
Renaissance und bezog psychoanalytische Ansätze in die kunsthistorische Forschung ein.
Außerdem war Gombrich Professor für Kunstgeschichte an der University of London sowie
Gastprofessor in Oxford, Cambridge und Harvard. Er zählte zu den wichtigsten
Kunsthistorikern des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1972 wurde er, obwohl im Ausland geboren,
von der englischen Königin in den britischen Adelsstand erhoben und durfte damit den Titel
„Sir“ führen.
Er starb am 3. November 2001 in London.
Im Theresianum haben wir seit einigen Jahren einen Gombrich Preis für besonders
talentierte bildnerische Künstler des Gymnasiums eingerichtet.
Unsere 2 „österreichischen Helden“, die im Widerstand 1944 hingerichtet wurden (natürlich
gedenken wir immer wieder an diese):

Gerhard Fischer-Ledenice (1919-1944)

Welthandelsstudent und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
Theresianist von 1929 bis 1937

Er stammte aus einer angesehenen altösterreichischen Offiziersfamilie, bereits sein
Urgroßvater hatte als Offizier unter Erzherzog Karl gedient, sein Großvater war
Feldmarschallleutnant und zuletzt stellvertretender Generalstabschef, sein Vater
Kavallerieoffizier im Generalstab.
Nach der Matura begann er Welthandel zu studieren und engagierte sich , wie auch sein
Klassenkamerad Hans Georg Heintschel-Heinegg, in der „Österreichischen
Freiheitsbewegung“ (Gruppe Karl Roman Scholz vom Stift Klosterneuburg), in der beide eine
führende Rolle einnahmen.
Fischer-Ledenice wurde am 22. Oktober 1940 von der Gestapo festgenommen. Am 2.
Dezember 1943 fällte der Volksgerichtshof Berlin das Urteil der Todesstrafe wegen
staatsfeindlicher Betätigung und des Verbrechens des Hochverrates. Dank Kamerad Thomas
Berr sind wir im Besitz von Kopien der GESTAPO Anklageschrift, des Urteils vom 20.09.1943,
4.10. und 2. 12.1943.
Trotz der Bemühungen seiner Familie um eine Begnadigung wurde Gerhard Fischer-Ledenice
am 5. Juli 1944 hingerichtet.

Hanns Georg Heintschel-Heinegg (1919-1944)

Theologiestudent, Lyriker und Widerstandskämpfer gegen den
Nationalsozialismus
Theresianist von 1929 bis 1937

In Knezice im Böhmerwald als Sohn des Wollwarenfabrikanten Wolfgang Heintschel von
Heinegg geboren. 1926 mussten seine Eltern wegen Überschuldung ihre Güter verkaufen
und daraufhin nach Wien übersiedeln.
Nach der Matura im Theresianum 1937 trat er in das Priesterseminar Canisianum in
Innsbruck ein und begann das Studium der Theologie. Nach den Anschluss 1938 wurde das
Canisianum zwangsweise von der Gestapo geschlossen und er kehrte nach Wien zurück.
Er schloss sich, wie sein Klassenkamerad Gerhard Fischer-Ledenice, der „Österreichischen
Freiheitsbewegung“ an. Die Gruppe wurde von einem Mitglied aus den eigenen Reihen, dem
Burgschauspieler und Gestapo-Spitzel Otto Hartmann, verraten und am 23. Juli 1940
zusammen mit Hunderten von Personen der Bewegung von der Gestapo verhaftet.
Nach fast vier Jahren Haft wurde er im Februar 1944 wegen Vorbereitung zum Hochverrat
und Landesverrat zum Tode verurteilt und nach Ablehnung mehrerer Gnadengesuche am 5.
Dezember 1944 hingerichtet.

Joseph Alois Schumpeter (1883-1950)

Nationalökonom und Politiker

Theresianist von 1893 bis 1901

Als einziges Kind des deutschmährischen Tuchfabrikanten Alois Karl Schumpeter und dessen
Frau Johanna, geb. Grüner, 1883 in Trest (Tschechien) geboren.
Nach dem Tod seines Vaters zog er mit seiner Mutter 1888 vorerst nach Graz und 1893 nach
Wien. Nach der Matura im Theresianum 1901 studierte er Rechtswissenschaften,
Volkswirtschaftslehre und Statistik an der Universität Wien und promovierte 1906. Nach
mehreren Studienaufenthalten im Ausland, wie an der London School of Economics und an
den Universitäten in Oxford und Cambridge, praktizierte er 1907 am Internationalen
Gerichtshof in Kairo. Dort verfasste er 1908 sein methodologisches Werk „Das Wesen und
der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie“, das er als Habilitationsschrift an der
Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien einreichte.
Ab 1911 arbeitete er als ordentlicher Professor in Graz und ging 1913/14 als
Austauschprofessor an die Columbia University in New York.
1918 war er Mitglied der deutschen „Sozialisierungskommission“ in Berlin und wurde 1919
zum österreichischen Finanzminister ernannt.
Von 1925 bis 1932 lehrte er als Professor in Bonn und ab 1932 an der Harvard University in
Cambridge (USA), wo er sich auch niederließ.
Mit seinem umfangreichen Werk gilt Schumpeter als einer der herausragenden Ökonomen
des 20. Jahrhunderts. Von der Wiener Grenznutzenschule herkommend, entwickelte
Schumpeter als einer der Wegbereiter der Ökonometrie in seiner „Theorie der
wirtschaftlichen Entwicklung“ ein geschlossenes Model der kapitalistischen Dynamik, das er
vor allem in Arbeiten zur Wachstums- und Konjunkturtheorie zu einer umfassenden
wissenschaftlichen Interpretation wirtschaftlicher Entwicklung ausbaute. Gemeinsam mit
dem norwegischen Ökonomen Ragnar Frisch begründete er die Econometric Society.
Er starb am 8. Jänner 1950 in Taconic (USA).
Schumpeter erinnerte sich stets gerne an seine Schulzeit im Theresianum.

Richard N. Coudenhove-Kalergi (1894-1972)

Philosoph, Historiker und Gründer der „Paneuopa-Union“
Theresianist von 1908 bis 1913

In Tokio als Sohn des österreichisch-ungarischen Diplomaten Heinrich Graf Coudenhove-
Kalergi (beherrschte 18 Sprachen und war ein Bewunderer Japans und der buddhistischen
Kultur) sowie dessen japanischer Frau Misuko Aoyama (stammte aus einer wohlhabenden
japanischen Kaufmanns- und Kunsthändlerfamilie) geboren.
Sein japanischer Name: Eijiro

Väterlicherseits stammte seine Familie aus Brabant (Niederlande, Holland) – die
Coudenhoves erhielten den Adelstitel 1099 für die Teilnahme an einem Kreuzzug.
Die Kalergis sind ein byzantinisch-kretisches (Griechenland) und venezianisches (Italien) –
Palazzo Vendramin – Calergi, in dem Richard Wagner starb – Adelsgeschlecht.
R.C.K. ist im Alter von einem Jahr auf das väterliche Schloss Ronsperg in Westböhmen
(heute Tschechische Republik) übersiedelt.
Sein Vater unterrichtete ihn bereits in frühester Jugend in Russisch und Ungarisch.
Er war also von klein auf gewöhnt, nicht in nationalen Begriffen zu denken! Ebenso lernte er
Toleranz gegenüber anderen Religionen und Kulturen.
Nach einem kurzen Aufenthalt in Brixen (Tirol) zog die Familie nach Wien. Dort besuchte er
von 1908 (Richard in der V. und Gerolf in der III. Klasse) bis 1913 wie 3 seiner Vorfahren nun
mit seinen Brüdern Johann (von 1902 bis 1911 im Theresianum) und Gerolf das
Theresianum. Schließlich besuchte auch sein Enkel Clemens, der Sohn seines Sohnes Jakob,
das Theresianum von 1981 bis 1989.
Diese Schule war sicher auch ein Baustein für seine einzigartige politische und kulturelle
Entwicklung:
Zur Zeit des Schulbesuches von RCK war das Theresianum nicht nur die erste
Erziehungsanstalt Österreichs, sondern auch „das größte College auf dem Kontinent“. Hier
wurden die Spitzenbeamten der Monarchie ausgebildet. Es gab die größten und besten
Sammlungen, Lehrbehelfe und Lehrmittel. Wie RCK in seinen Erinnerungen beschreibt:
„Ehrlichkeit und Anstand der Gesinnung wurden
respektiert, Falschheit und Wortbruch verachtet; die meisten Zöglinge des Theresianums
wurden anständige und nützliche Mitglieder der Gesellschaft“…“Das Wichtigste, das ich
lernte, war Menschenkenntnis und Menschenbehandlung, Ablehnung nationaler
Ideologien“.. “Damals war Wien die internationalste Hauptstadt der Welt. Kosmopolit zu
sein galt als vornehm, Nationalist als kleinbürgerlich“. Tatsächlich hatte er solche
bedeutende Mitschüler, wie den berühmten Chemiker Hermann Mark, den Sohn Hans des
berühmten Nationalökonomen und Finanzminister Eugen Böhm v. Bawerk, Alexander Toldt,
später Kabinettsdirektor des Bundespräsidenten und Gründer der Vereinigung ehemaliger
Theresianisten.
Mitentscheidend für die Entwicklung von RCK war sicher auch die Zusammensetzung seiner
Klasse: 5 Schüler aus Ungarn, 3 aus Böhmen sowie Schüler aus Mähren, Galizien, Kroatien,
Slowenien, Bosnien und Herzegowina, dem deutschen Reich, Russland, Türkei, Serbien und
Japan.
Nach der Matura im Theresianum 1913 studierte er an der Wiener Universität Philosophie
und in München Geschichte, promovierte 1917.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie fasste er 1922 seine Ideen für ein modernes
Europa und eine friedliche Zukunft des Kontinents in einem programmatischen Aufsatz
zusammen, der als Gründungsdokument der Paneuropabewegung gilt.
1923 gründete er die Paneuropa-Bewegung, unter dem Eindruck der Katastrophe des 1.
Weltkriegs – dem „Bürgerkrieg zwischen Europäern“. Es ist die älteste europäische
Einigungsbewegung. Sie wurde zur Zeit des Nationalsozialismus verboten.
1938 emigrierte er in die Schweiz, dann in die USA, wo er von 1940 bis 1946 an der
Universität New York als Historiker lehrte.
1947 wurde er nach seiner Rückkehr in die Schweiz Generalsekretär der von ihm
gegründeten Europäischen Parlamentarierunion, die zur Gründung des Europarates führte.
1954 reaktivierte er die „Paneuropa-Union“, deren Sitz 1965 nach Brüssel verlegt wurde und
deren Präsident er bis zu seinem Tod am 27. Juli 1972 war.
Er hatte mit unzähligen Persönlichkeiten des politischen und kulturellen Lebens dieser Zeit
Kontakt.

Ferenc Graf Széchényi (1754-1820)

Politiker und Gründer der ungarischen Nationalbibliothek
Theresianist von 1772 bis 1774

Entstammte einer bedeutenden ungarischen Adelsfamilie, geboren in Fertöszéplak.
Als Abschluss seiner Ausbildung besuchte er von 1772 bis 1774 die Theresianische
Ritterakademie in Wien. Das ist vor allem deshalb interessant, weil wir aus der Literatur
bisher nur wussten, dass Ende des 19. Jahrhunderts, nicht auch schon im 18. Jahrhundert,
ungarische Adelige, die in den Staatsdienst wollten, zwei Jahre im Theresianum abschließen
mussten!
Széchényi trat 1775 in den Staatsdienst ein und war unter Kaiser Joseph II. in verschiedenen
Ämtern der ungarischen Krone tätig. 1785 zog er sich aus dem politischen Leben zurück und
gründete auf seinen ungarischen Gütern eine landwirtschaftliche Forschungsanstalt. 1791
folgte die Gründung einer Privatbibliothek auf Schloss Zeng, aus der später die
Nationalbibliothek hervorging.
Unter Kaiser Franz II. übernahm er ab 1798 wieder politische Aufgaben in Ungarn. 1802
schenkte er der ungarischen Nation seine umfangreiche Bibliothek sowie seine Karten-,
Münz- und Kupferstichsammlung und wurde damit zum Begründer der ungarischen
Nationalbibliothek sowie des Nationalmuseums, die ursprünglich als eine gemeinsame
Institution geführt und erst im Jahr 1949 getrennt wurde.
Er zog 1810 nach Wien, wo er am 13. Dezember 1820 starb.

Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky (1766-1858)

Feldmarschall und Heerführer
Theresianist von 1782 bis 1784

Auf Schloss Trbnic südlich von Prag geboren.
Er besuchte in Prag das Piaristengymnasium und in Brünn das Collegium nobilium. Als im
April 1782 Joseph II. aus wirtschaftlichen Gründen die Vereinigung der Brünner Akademie
mit der Theresianisch-Savoyischen (Direktor und Kurator wurde Emanuel Freiherr von
Stillfried-Ratonittz) verfügte, übersiedelte im Mai 1782
Radetzky als 16-Jähiger mit den Stiftlingen der Brünner Akademie nach Wien. Er konnte nur
den zweiten philosophischen Jahrgang und das erste Jahr Jus hier vollenden, dann traf ihn
die Aufhebung mit Resolutionen vom 17. August und 13. Oktober 1784.
Er trat in die österreichische Armee ein und nahm 1788/89 am russisch-österreichischen
Türkenkrieg sowie 1793 bis 1796 an den Feldzügen in den Niederlanden und in Oberitalien
teil. 1805 erlangte er den Rang eines Generalmajors und erhielt für seine Verdienste in der
Schlacht von Aspern 1809, in der die französischen Truppen unter Napoleon besiegt wurden,
das Kommandeurkreuz des Maria-Theresien-Ordens.
1813 entwarf er den Feldzugplan für die Völkerschlacht bei Leipzig und übernahm nach der
Julirevolution in Paris 1830 den Oberbefehl über die österreichischen Truppen in Lombardo-
Venetien, um den aufkeimenden Unruhen in Italien entgegenzutreten. Der Sieg über König
Karl Albert von Sardinien 1849 sicherte die österreichische Herrschaft in Oberitalien und ein
wenig später auch über Venedig.
Radetzky wurde als Held gefeiert, und Johann Strauss Vater komponierte ihm zu Ehren den
„Radetzkymarsch“.
1857 wurde Radetzky mit 91 Jahren und nach 72 Dienstjahren auf eigenes Ersuchen von
Kaiser Franz Joseph des Postens des Armeekommandanten und Generalgouverneurs des
lombardo-venetianischen Königsreiches enthoben.
Nur ein Jahr darauf verstarb er am 5. Jänner 1858 in Mailand.
Paul Scapinelli Conte di Léguigno (1878-1973)
Spitzenbeamter, Kurator der Theresianischen Akademie 1946-1966
Theresianist von 1888 bis 1896
Am 20. April 1878 in Wien geboren trat er 1888 ins Theresianum ein und legte im Jahr 1896
die Matura ab.

Zunächst versuchte er sich im Studium der technischen Wissenschaften, wechselte danach
zu den Rechtswissenschaften und ergriff die Beamtenlaufbahn, die ihn über die
oberösterreichische Statthalterei ins Unterrichtsministerium führte.
Den ersten Weltkrieg machte er als mehrfach ausgezeichneter Offizier, zuletzt als
Hauptmann, mit. Nach schwerer Verwundung in russische Gefangenschaft geraten, gelang
ihm 1918 eine abenteuerliche Flucht in die Heimat.
Nach dem Ende der Monarchie wieder ins Unterrichtsministerium zurückgekehrt bewährte
er sich in hervorragender Weise (entsprechend seiner Erfahrungen aus der Zeit im
Theresianum) bei der Aufgabe, die seinerzeitigen Militärrealschulen in
Bundeserziehungsanstalten überzuführen, deren Zentraldirektor er von 1919 bis 1926 war.
Danach war er im Unterrichtsministerium als Leiter des Kultusamtes maßgeblich an der
Vorbereitung des Konkordates 1934 beteiligt. 1934 erfolgte die Berufung zum
Senatspräsidenten des damaligen Bundesgerichtshofes (Vorgänger des
Verwaltungsgerichtshofes).
1946 wurde er im Alter von 69 Jahren von der Bundesregierung zum Kurator der Stiftung
Theresianische Akademie ernannte. Die Mitglieder der Vereinigung ehemaliger
Theresianisten unter der Leitung von Generalkonsul Dr. Bernd Kamler betrieben mit viel
Einsatz und Interventionen die Wiederherstellung der Theresianischen Akademie als
wesentliche Österreichische Institution!
Das ehemalige Schulgebäude war vom Krieg und der Besatzungsmacht (USIA) ziemlich
devastiert, die Stiftsgüter Strechau und Süßenbrunn ebenso.
Die erste Kuratoriumssitzung fand am 15. Jänner 1947 statt, der Tag an dem ich geboren
wurde!
Nun begann der bis 1957 dauernde „Kampf“ Kurator Scapinellis um die Wiedererrichtung
der Schule und Sanierung der Stiftsgüter. Mit unerhörter Hingabe und persönlichen Einsatz
kämpfte er gegen das „sowjetische Element“. Im Kuratorium finden sich viele seiner
Aufzeichnungen, die mehrere Bücher füllen würden und ein Beweis seines erfolgreichen
Einsatzes über 20 Jahre hindurch sind. Deswegen haben wir zu Recht den Festsaal in
Scapinellisaal umgetauft!
Von seinen zahlreichen Sprüchen, gebe ich den Absolventinnen und Absolventen vor allem
jenen mit:
„Theresianist sein heißt ein Leben führen, das glaubhaft ist!“
Im Alter von 89 Jahren legte er 1966 sein Amt nieder, er starb am 28. Dezember 1973 in
Wien.

Kurt Schubert (1923 – 2007)

Judaist, Begründer des Instituts für Judaistik an der Universität Wien und des Österreichischen Jüdischen Museums in Eisenstadt
Theresianist von 1933 bis 1938

Er stammte aus einem liberalen, antinationalsozialistischen Elternhaus.
Als das Theresianum 1938 von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde, wechselte er in das
Gymnasium in die Rainergasse, wo er 1941 maturierte. Anschließend studierte er Alte
Geschichte, Altsemitische Philologie (Akkadistik, Hebräisch und Syrisch) und Orientalische
Altertumswissenschaften, nachdem er aufgrund seines Asthmas als „nicht kriegsdienstfähig“
eingestuft worden war. 1944 promovierte er und war als wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Orientalischen Institut tätig.
In den letzten Kriegstagen des April 1945 hat er in einer abenteuerlichen Aktion als gerade
promovierter 22-Jähriger von den sowjetischen Kommandeuren die Wiedereröffnung der
Wiener Universität abgetrotzt und die erste Professorenversammlung einberufen.
Gemeinsam mit Studenten und anderen Professoren beseitigte er die Kriegsschäden, sodass
er bereits am 2. Mai seine erste Vorlesung in hebräischer Sprache halten konnte.
Er etablierte in den kommenden Jahrzehnten die Judaistik als eigenes Fachgebiet und
gründete 1966 das Institut für Judaistik an der Universität Wien, das er bis zu seiner
Emeritierung im Jahr 1993 leitete; er arbeitete aber noch viele Jahre wissenschaftlich weiter.
Die Vorbereitungsarbeiten zur Errichtung eines jüdischen Museums in Eisenstadt begannen
schon 1969, bis es 1982 mit der Ausstellung „1000 Jahre Österreichisches Judentum“ als
erstes jüdisches Museum in Österreich nach dem Krieg eröffnet wurde.
Schubert betonte immer wieder, dass er seinen Patriotismus und seine Immunität gegen das
Werben der Nazis nicht nur seiner katholischen Erziehung, sondern auch der Bildung, die
ihm als Schüler des Theresianums prägte, verdanke.
Schubert war ein weltweit geschätzter Wissenschaftler und Vorkämpfer für den christlich-
jüdischen Dialog. Deswegen haben wir zu seinem 80. Geburtstag die Schülerbibliothek in Dr.
Kurt Schubert Bibliothek umbenannt. Die eindrucksvolle Eröffnungsfeier wird mir ewig in
Erinnerung bleiben!

Von K. Stephan Nagler

 

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