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Interview Ricky

Sebastian Saxinger: Beschreibe deine Rolle im Vorstand auf eine humorvolle Art und Weise!

Ricky Heinke: Ich bin ausreichend alt, aber nicht zu alt (lacht), dass ich ein „Missing Link“ zwischen jener Generation sein kann, die selbst die reine Bubenschule erlebt hat, und der koedukativen bei den eigenen Kindern. Die Präsidentin der Vereinigung, Petra Cernochova, kenne ich schon als sie noch Internatssprecherin und ich schon mehr als 20 Jahre Alttheresianist war. Damals bin ich auch auf ihre Gesangskünste aufmerksam geworden und seitdem treten wir gemeinsam bei der Weihnachtsfeier auf. Sie hat mich dann auch beruflich begleitet. Auch das Netzwerken kommt in der Vereinigung also nicht zu kurz.

SS: Also kann man dich als den „Sänger und Netzwerker“ der Vereinigung beschreiben?

RH: Auch, ja! Ich hab mir die Karriere als Sänger von der Schulband bis heute bewahrt (lacht). Wir gründeten damals die erste Schulband. Unser Maturaball war der erste Schulball, der nach dem Krieg stattgefunden hat. Und da haben wir mit der Schulband aufgespielt.

SS: Welches Essen war zu deiner Schulzeit das schlechteste?

RH: Für mich war es das Blunzengröstl. Erstens weiß ich, wie man Blutwurst macht, und esse sie schon deshalb nicht so gerne. Außerdem war es in der Schule besonders grauslich. Aber auch die ganzen Aufläufe waren nicht besonders… Scheiterhaufen, Schinkenfleckerl… Das war einfach ein Massenfutter, das mir nicht besonders geschmeckt hat.

SS: Erzähle ein lustiges Lehrerzitat!

RH: Da gibt es ein Zitat meines Matheprofessors Wandaller. Er ist zwar längst in Pension, aber manche werden ihn sicher noch kennen – so lang ist es dann auch nicht her (lacht). Es gab in meiner Klasse zwei Schüler, für die Mathe ein Leidensfach war – einer davon war ich. Immer, wenn es geheißen hat, dass die Schularbeit „im Großen und Ganzen“ gut ausgefallen ist, hat das bedeutet, dass er und ich einen Fleck hatten. Natürlich hatten wir beide dann bei der Matura einen Zusatz. Unser Professor hat dann mit einer Engelsgeduld vor der Matura mit uns gelernt – es war wie ein Förderunterricht. Trotzdem habe ich es dann bei der mündlichen Matura, die an meinem 18. Geburtstag stattfand, noch „zusammengebracht“, von drei Beispielen in der Vorbereitung eines vollkommen zu verhauen, bei einem zwar den Rechengang richtig, aber das Ergebnis falsch zu haben und nur eines vollkommen richtig zu haben. Ich war der letzte Prüfling vor dem Mittagessen., Er hat das total zu meinen Gunsten ausgenützt und gesagt, dass er das dritte Beispiel aus pädagogischen Gründen vorziehen möchte, weil es angeblich das wertvollste war. Und dann hat er mich lang und breit darüber ausgefragt. In der Kommission haben schon alle ungeduldig mit den Fingern geklopft und die Kommission wollte dann die zwei anderen Aufgaben nicht mehr hören – und so hat er mich durch die Matura getragen. Bei der Maturafeier hat er dann zu meinem Leidensgenossen gesagt: „Heinke, ihr seid´s halt einfach meine Schwachmathiker“. Ich war einfach nie gut in Mathe, obwohl ich wahrscheinlich den besten Nachhilfelehrer hatte, den man sich wünschen konnte: Rudi Taschner.

SS: Dann ist die nächste Frage interessant: Wie oft bist du beim Schummeln erwischt worden?

RH: (Lacht) Interessanterweise nicht sehr oft! Ich kann dazu aus der Französisch Schularbeit zitieren. Mein Sitznachbar Leonhartsberger hatte ein Fehlerzeichen. In meiner Schularbeit ist auch ein Fehlerzeichen gewesen mit dem Hinweis: „Siehe Leonhartsberger“. Ich bin aber nicht erwischt worden! Einmal war es aber knapp. Ich war damals schon ein guter Taktiker. Mir war klar, dass ich bei der nächsten Schularbeit weggesetzt werde. Unser damaliger Französischprofessor war Professor Keinert. Der hat mich dann auf den einzigen anderen freien Platz gesetzt: Den Lehrerschreibtisch. Da bin ich dann alleine gesessen. Damit hab‘ ich aber gerechnet und habe vorher meine Schummelzettel ins Klassenbuch hinten hineingelegt. Von denen habe ich dann alle irregulären Verben perfekt abgeschrieben. Unser Professor war dann völlig fertig, dass ich so eine perfekte Schularbeit abgeben habe. Er hat mich fast bekniet, dass ich zugebe, dass das nicht meine Leistung war… Aber ich habe dichtgehalten (lacht).

SS: Welchen Berufswunsch hatte dein 10jähriges Ich, bevor du ins Theresianum gekommen bist?

RH: Alles, was mit Tieren zu tun hat. Das hat mich lange verfolgt – ich wollte auch relativ lange Tierarzt werden. Ich mochte auch die naturwissenschaftlichen Fächer sehr gerne, die sind mir gut gelegen. Mein beruflicher Werdegang ist dann in eine völlig andere Richtung verlaufen (Anm.: Ricky Heinke ist Rechtsanwalt). Aber ich mache meinen heutigen Beruf mit Leib und Seele. Aber ich glaube, ich wäre auch ein guter Tierarzt geworden.

SS: Gibt es ein Erlebnis auf einer Schulreise/Sportwoche/Schulausflug, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

RH: Ja! Die verbotenen Dinge waren natürlich immer die reizvollsten. Damals im Internat, zu unserer Bubenzeit, war das das Rauchen. Ich kann mich an einen Schulausflug erinnern. Ich bin hinten im Bus gesessen und hab´ dort heimlich bei offenem Fenster eine Zigarette geraucht. Unser Klassenvorstand Ludwig Jorda, den wir bis zur achten Klasse ziemlich gefürchtet haben, ist aufgestanden und zu mir nach hinten gekommen. Ich hab‘ den Tschick noch schnell in den Aschenbecher vor mir hineingestopft und dann teilnahmslos aus dem Fenster geschaut. Auf einmal hat der ganze Bus gelacht, weil aus dem Aschenbecher eine Rauchwolke aufgestiegen ist… Da bekam ich wieder einmal einen Eintrag ins Klassenbuch.

SS: Was durfte man zu deiner Zeit im Theresianum noch machen, was heute undenkbar wäre?

RH: Wir haben uns einmal eine Kneifzange „ausgeborgt“. Mit der haben wir dann hinter dem Fußballtor in den Maschendrahtzaun, der die Grenze zum Funkhaus bildete, ein Türl hineingeschnitten. Durch das sind ein paar Klassenkameraden und ich durchgeklettert und ins Funkhaus marschiert. Der Vater eines Klassenkameraden hat damals dort gearbeitet. Dann haben wir uns ein paar Essensbons für die die ORF Kantine geholt, haben uns dort auf die Terrasse gesetzt, vorzüglich gespeist und den anderen im Park beim Fußballspielen zugeschaut. Das Essen in der ORF Kantine war natürlich zehnmal besser als das, was wir im Internat bekommen haben. Gegen Ende meiner Zeit im Vollinternat ging es vor allem um das Hineinschummeln von Mädchen, es war ja noch eine reine Bubenschule. Wir haben einmal in der Maturakamerate ein Fest gefeiert. Unser Erzieher hat damals nicht im Haus übernachtet. Als der in der Früh wieder kam, hat er einen Schock bekommen, als er im Waschraum eine junge Dame sah, die sich dort ihre Haare gebürstet hat. Vor seiner Dienstzimmertüre hat er dann zwei Flaschen Sekt vorgefunden, die wir als „Schweigegeld“ dagelassen haben. Es ist deswegen auch nie etwas rausgekommen (lacht). Aber natürlich ist heutzutage, da die Schule gemischt geführt ist, die Trennung von Burschen und Mädels im Internat besonders streng.

SS: Dann kommen wir zum letzten Teil: Die Wissensfragen! Die erste Frage betrifft Deutsch und lautet: Wie lauten die ersten Zeilen des Erlkönigs?

RH: Keine Ahnung! Es hat irgendetwas mit Nacht und Wind zu tun… (lacht) Und mit dem Vater und seinem Kind… Ich fürchte, daran kann ich mich nur passiv erinnern (lacht).

SS: Aber du warst knapp dran! Die ersten Zeilen lauten: „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?; Es ist der Vater mit seinem Kind; Er hat den Knaben wohl in dem Arm; Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.“ Die zweite Frage lautet: Wie nennt man eine Linie, die einem Graph unendlich nahekommt, ihn aber nicht berührt?

RH: (Überlegt lange) Eine Tangente ist es nicht… Das habe ich sicher mal gelernt, aber ich kann mich leider nicht erinnern!

SS: Es ist die Asymptote! Gehen wir zum Thema Politik. Wie lautet der erste Satz des Bundesverfassungsgesetzes?

RH: Das Recht geht vom Volk aus?

SS: (lacht) Das ist der zweite Satz!

RH: Ah, Moment. Österreich ist eine demokratische Republik.

SS: Richtig! Gehen wir gleich zur nächsten Frage, sie ist aus dem Fach Geographie. Wie viele Binnenstaaten gibt es, die ausschließlich von weiteren Binnenstaaten umgeben sind?

RH: Also das wäre zum Beispiel Liechtenstein. Das werden wahrscheinlich gar nicht so viele sein… Ich sage einmal 16.

SS: Es sind tatsächlich nur zwei! Eines ist Liechtenstein, das andere ist Usbekistan. Die letzte Frage ist aus Biologie. Gibt es ein Säugetier, das Eier legt?

RH: Ja, das Schnabeltier zum Beispiel. Es gibt noch andere, aber das fällt mir auf Anhieb ein. 

 

SS: Wunderbar, dann bedanke ich mich herzlich für das Gespräch!

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